Breadcrumb
Navigationsmenü
Inhalt
Mädchen schämen sich für ihren Körper
Neue Studie: Mädchen vergleichen sich mit irrealen Idealbildern und entwickeln ein starkes Schamgefühl
Mittwoch, 03. Oktober 2007
Im
Zuge ihrer Dissertation befragten die Diplompädagogin Klaudia Odreitz und der Klinische Psychologe
Mario Obersteiner 523 Schülerinnen und Schüler aus Kärnten anhand mehrerer standardisierter
Fragebögen zum eigenen Körpergefühl, zu Sexualität und Liebe sowie zu ihren Schamgefühlen. Die
untersuchten Mädchen und Burschen waren zwischen 15 und 20 Jahre alt. Die Dissertation
"Sexualwissenschaftliche Untersuchung zu Sexualität, Scham, Nacktheit, Körperbild und Selbstwert
von Jugendlichen im Alter von 15 Jahren bis 20 Jahren" von Klaudia Odreitz und Mario Obersteiner
wird 2007 publiziert (Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt).
Sich für den ganzen Körper schämen
Einen zentralen Punkt in ihrer Arbeit widmeten die ForscherInnen dem Begriff "Scham". Die
Scham für den eigenen Körper wird aus Sicht der Psychologie durch eine Identitätskrise ausgelöst,
die durch einen körperlichen Aspekt hervorgerufen wird. In solchen Krisen gerät ein Mensch, weil
das Verhältnis zu seinem Körper nicht ein-, sondern doppeldeutig ist.
Mädchen weisen laut Dissertation ein größeres Schamgefühl in Bezug auf ihren Körper als Burschen im selben Alter: Während sich dieses Gefühl bei Mädchen auf den ganzen Körper bezieht, richten männliche Jugendliche ihre Scham auf den Penis, heißt es in einer Aussendung.
70 Prozent der Schülerinnen schätzen ihre körperbezogene Scham als "ziemlich
stark" bis "sehr stark" ein. Bei den Burschen sind es nur etwa 30 Prozent. Für die Mädchen stelle
Scham, bezogen auf ihren ganzen Köper, ein hohes Gefühl von Minderwertigkeit dar, so die
Forscher.
Im eigenen Körper beheimatet sein
Dieses Schamgefühl kommt nicht von ungefähr: Die Jugendlichen sind laut Studie mit einer
Vielzahl von Ideal- und Zerrbildern von Nacktheit und Sexualität konfrontiert.
Das Gefühl der Minderwertigkeit und der daraus resultierende geringere Selbstwert seien bei Mädchen ausgeprägter. Ihre weibliche Identität, ihr Selbstwert und ihre Körperlichkeit sind durch Eigen- und/oder Fremdablehnungen stark bedroht.
Die Entfremdung vom eigenen Körper und Hemmungen hängen laut Untersuchung stark mit der vorherrschenden Inkongruenz zwischen physiologischen Vorgängen (wie der Bildung von Fettgewebe an Hüften und Oberschenkeln bei weiblichen Teenagern) und dem burschikosen Schönheitsbild magerer Models zusammen.
Während Burschen ihre Attraktivität nicht ausschließlich durch die Schönheit des eigenen Körpers definieren müssen, ist der Rahmen der sozial akzeptierten Körperformen für Mädchen deutlich enger gesteckt. Das Diktat des Schönheitsideals gaukle den Jugendlichen eine optische Illusion vor, die sie als real wahrnehmen. (Quelle: ORF ON Science)
Diese Seite
drucken
weiterempfehlen
bewerten










