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Schwangerschaft: Unterschätztes Problem Essstörungen
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40 Prozent aller schwangeren Frauen fürchten sich vor einer Gewichtszunahme
Dienstag, 13. Juli 2010
„Der Schlankheitswahn ist mittlerweile auch bei schwangeren Frauen angekommen“, sagt Maga. Michaela Langer, stellvertretende Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit und Autorin eines Artikels zum Thema „Essstörungen und Schwangerschaft“ in der Österreichischen Hebammenzeitung. 72 Prozent aller Schwangeren fürchten, ihr Gewicht, das sie vor der Schwangerschaft hatten, nach der Geburt ihres Kindes nicht mehr erreichen zu können. Und 75 Prozent sind in den ersten Wochen nach einer Geburt besorgt über ihr Gewicht. Es wundert daher nicht, wenn etwa vier Wochen nach einer Entbindung 70 Prozent der Frauen mit Abnehmversuchen starten. Und 57 Prozent jener Frauen, die vor einer Schwangerschaft noch nie eine Diät gemacht hatten, versuchen nach einer Geburt so rasch wie möglich wieder abzunehmen.
Verschlechterung der Störung
Liegt bereits vor der Schwangerschaft eine Essstörung vor, so kann sich etwa eine Bulimie für die Dauer der Schwangerschaft verbessern – allerdings kann es in der Zeit nach der Geburt zu Rückfällen kommen. Bei Frauen, die unter Anorexia nervosa (Magersucht) leiden, liegt die Gewichtszunahme während einer Schwangerschaft deutlich unter jener von gesunden Frauen. Meist kommt es während einer Schwangerschaft wie auch nach der Entbindung zu einer Verschlechterung der Erkrankung.
Mehr Fehlgeburten und Kaiserschnitte
Die Rate an Fehlgeburten ist unter Frauen mit Essstörungen deutlich höher als bei gesunden Frauen. Dies gilt auch für jene Frauen, die ihre Essstörung bereits überwunden haben. Frauen mit Essstörungen bzw. mit gestörtem Essverhalten bringen überdurchschnittlich häufig untergewichtige Kinder zur Welt. Ebenfalls höher sind die Kaiserschnittraten. Und das Risiko für eine postpartale (nachgeburtliche) Depression ist für essgestörte Frauen bis zu dreimal höher als in der weiblichen Allgemeinbevölkerung.
Gestörte Mutter-Kind-Bindung
Mütter, die unter Essstörungen leiden, stillen häufig früher ab und machen weniger positive Bemerkungen über Essen und Nahrungsmittel als Mütter ohne Essstörungen. Häufig wird auch das Essen nicht gemeinsam eingenommen. Und nicht selten bewirkt die Beschäftigung mit dem eigenen Gewicht auch eine ungesunde Einwirkung auf das Gewicht der Kinder. „Die betroffenen Mütter entwickeln Ängste, ihr Kind könnte zu dick werden und setzen es häufiger auf Diät, was einen Risikofaktor für das Kind darstellt, später ebenfalls eine Essstörung zu entwickeln“, erläutert Psychologin Michaela Langer.
Hebammen können helfen
Um eine Essstörung möglichst früh zu erkennen, können Gespräche der Schwangeren bzw. der Mutter mit der Hebamme helfen. Hebammen sollten gut geschult sein, um Hinweise und Risikofaktoren für Essstörungen zu erkennen. „Ein mit Feingefühl geführtes Gespräch kann einer betroffenen Frau dabei helfen, sich zu öffnen und über ihre Krankheit zu sprechen“, so Langer weiter.
Möglichst früh eingreifen
Essstörungen haben aufgrund der körperlichen Folgeerkrankungen schwerwiegende Auswirkungen auf Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Mutterschaft. Hebammen haben durch das gute Vertrauensverhältnis zu „ihren“ Frauen eine wichtige Funktion in der Früherkennung von Essstörungen. Im Gespräch und in der Beratung empfiehlt es sich, das vergangene und aktuelle Essverhalten und die Zufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht zu erheben.
Dies gilt insbesondere dann, wenn Auffälligkeiten wie Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Schwangerschaftserbrechen und geringe Gewichtszunahme auftreten, weil dies Hinweise auf eine aktuelle oder bereits überwundene Essstörung sein können. Um bei Müttern mit Essstörungen Probleme in der Mutter-Kind-Beziehung vorzubeugen, können Hebammen – am besten bereits während der Schwangerschaft – betroffenen Frauen professionelle Hilfe anbieten.
Hotline für Essstörungen: 0800 20 11 20 (Mo-Do 12-17 Uhr)
Email-Beratung: hilfe@essstörungshotline.at
Web: www.essstoerungshotline.at
Einen umfassenden Artikel zum Thema Essstörungen und Schwangerschaft finden Sie hier: http://zeitung.hebammen.at/2010/03_10.htm
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