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Stellungnahme: Sexualisierte Darstellungen schaden einer gesunden Entwicklung von Mädchen und Frauen
Das Wiener Programm für Frauengesundheit fordert mehr Sensibilität und Bewusstsein bei Medien und Kreativen
Mittwoch, 11. August 2010
Sexualisierte Werbung abzulehnen hat nichts mit Lust- oder Körperfeindlichkeit zu tun. Es ist ein Statement gegen ein gesundheitsschädliches Frauenbild in den Köpfen von Mädchen und Frauen, von Burschen und Männern. Mediale Bilder und Werbung, die Frauen sexualisiert darstellen und auf ihren Körper reduzieren, zeigen langfristig negative psychische Auswirkungen. Dies gilt in verstärktem Maße für junge Frauen und Mädchen.
2007 hat die Amerikanische Psychologische Gesellschaft eine Task Force on the Sexualization of Girls ins Leben gerufen. Ihr gehören JournalistInnen, Kinderschutzorganisationen, Elternorganisationen und PsychologInnen an. In einer umfassenden Stellungnahme zur „Sexualisierung von Mädchen“ weist sie auf die gesundheitsschädigenden Konsequenzen hin.
Konsequenzen von sexualisierter Werbung
Sexualisierte Bilder, Werbung und Musikvideos wirken – aber leider in die falsche Richtung. Mädchen und Frauen, die derartige Bilder tagtäglich sehen, verinnerlichen die vorgegebenen „Sexy-Standards“ und definieren den eigenen Wert schließlich über die Frage: „Bin ich sexy?“ Dies hat Konsequenzen für die psychische Gesundheit. Die Forschung zeigt, dass Sexualisierung mit den drei häufigsten psychischen Erkrankungen von Mädchen und Frauen in Zusammenhang stehen: Essstörungen, geringer Selbstwert und depressive Verstimmungen bis hin zu manifesten Depressionen.1 Ebenso kann das sexuelle Erleben beeinträchtigt sein.2
Sexualisierung bedeutet, dass Attraktivität auf das körperliche Erscheinungsbild reduziert wird. Nur wer sich innerhalb dieses Rahmens bewegt, gilt als „sexy“. Ein Mensch, der sexualisiert wird, wird zum Objekt, zum Ding, dem ausschließlich ein sexueller Wert beigemessen wird. Ganz besonders problematisch wird dies, wenn Sexualität in unangemessener Form auf Kinder projiziert wird.
Was ist kreativ?
Eine gesetzliche Regelung gegen sexualisierte Darstellungen in der Werbung, wie es auch die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger fordert, würde zu einer raschen Eindämmung diskriminierender Darstellungen von Frauen und Männern in der Werbung führen. Das Wiener Programm für Frauengesundheit unterstützt daher die Forderung der Wiener Frauenstadträtin nach einem Gesetz gegen sexistische Werbung. Kreativität in der Werbung kann und darf nicht mit „Sex sells“ beginnen und enden. Kreativität bedeutet in fantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.3 Einfach mit nackten Frauenkörpern zu werben und dies auch noch als originell zu bezeichnen, verdient die Bezeichnung „Kreativität“ nicht.
Verantwortungsbewusstsein in der Werbebranche gefordert
WerberInnen und MarketingexpertInnen müssen sich endlich mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzen. Werbung, die sexualisiert, ist nicht unschuldig sondern kann negative Folgen für die psychische Gesundheit nach sich ziehen. Frauen, die ständig mit sexualisierter Werbung konfrontiert sind, werden mit unerreichbaren Idealbildern konfrontiert. „Sex sells!“ würdigt Frauen wie Männer herab und suggeriert eine Haltung, die Frauen zu Objekten macht. Dies ist abzulehnen.
Stärkung des Werberates erwünscht
Der Österreichische Werberat als Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft soll sich vermehrt dieser gesundheitsrelevanten Dimension von Sexualisierung und Sexismus annehmen. Zu hoffen ist auch, dass zukünftig die Macht des Werberates gestärkt wird. Denn derzeit kann der Werberat nur empfehlen und nicht sanktionieren. Zahnlose Empfehlungen und bedenkenlose Übertretungen des Verhaltenskodex sind die Folge.
Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger
Frauengesundheitsbeauftragte und Leiterin „Wiener Programm für Frauengesundheit“
Mag.a Michaela Langer
Stv. Leiterin „Wiener Programm für Frauengesundheit“
Link:
Task Force on the Sexualization of Girls der American Psychological Association
Beschwerde gegen Sexistische Werbung und Download Musterbeschwerdebrief
Literaturverzeichnis
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