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Die käufliche Schönheit
1,5 Milliarden Euro geben ÖsterreicherInnen jährlich für Makeup und Parfum aus
Montag, 06. Dezember 2010
Schön ist, wer jung, schlank und faltenlos ist. Immer mehr Menschen folgen diesem von Medien, Industrie und Mode vorgegebenem Schönheitsideal. Das Wirtschaftsmagazin ECO hat sich in einem Spezialbeitrag mit dem Thema "Operation Schönheit" mit dem Thema auseinandergesetzt und interessante Zahlen recherchiert: Jedes Jahr geben die ÖsterreicherInnen rund 1,5 Mrd. Euro für Kosmetik und Parfum aus. 700 Mrd. Euro werden jährlich für den richtigen Haarschnitt und die passende Farbe investiert. Rund 90 Prozent der Frauen in Österreich tragen übrigens nicht ihre natürliche Haarfarbe! Aber auch zunehmend mehr Männer investieren in Cremes, Duftwässer und andere Pflegeprodukte: Der Markt für Kosmetikprodukte für Männer stieg heuer um zehn Prozent.
Nur der ästhetische Körper zählt
Neben dem „perfekten“ Makeup und der gut sitzenden Frisur investieren immer mehr Menschen auch Zeit und Geld, um schlank und fit zu werden. Die Zahl jener Menschen, die im Fitness-Center trainieren, nimmt stark zu. „Es ist natürlich zu begrüßen, wenn junge Menschen sich in unserer bewegungsarmen Zeit sportlich betätigen“, sagt die Gesundheitspsychologin Maga. Michaela Langer vom Wiener Programm für Frauengesundheit. „Allerdings steht häufig nicht mehr der Spaß an der Bewegung im Vordergrund, sondern nur die Arbeit am ästhetischen Körper“, so Langer in der Sendung „Eco“ vom 2. Dezember 2010.
Doping ist kein Einzelfall
520 Fitnessstudios in Österreich rittern um ihre KundInnen und setzen jährlich rund 260 Millionen Euro um. Etwa 6,3 Prozent der ÖsterreicherInnen trainieren regelmäßig im Fitnesscenter. Um dabei möglichst rasch Erfolge zu erzielen, greifen insbesondere Männer gerne zu unerlaubten Mitteln – Doping ist in der österreichischen Fitnessszene ein häufiges Problem. Michaela Langer spricht in diesem Zusammenhang vom „Adonis-Komplex“, dem junge Männer gerne verfallen. Dabei ist die Körperwahrnehmung der Männer gestört. Auch dann, wenn sie massiv Muskelmasse aufgebaut haben, finden sie sich selbst immer noch zu schmächtig. Die Folge: Es wird immer noch mehr trainiert, das Training wird zur Sucht. Die Folgen der Einnahme von unerlaubten Doping-Mitteln reichen von Schlafstörungen über Schweißausbrüche bis hin zu manifesten Leberschädigungen, Herzkrankheiten und Krebserkrankungen.
Die Pille gegen Übergewicht
Aber auch durchaus legale Mittel spielen eine immer größere Rolle, um schön, faltenlos und schlank zu bleiben. Der Markt für diverse Nahrungsergänzungsmittel ist mittlerweile unüberschaubar geworden. Erhältlich sind Schlankheits-, Diät- und Verdauungsmittel nicht nur in Apotheken, sondern auch in Drogeriemärkten. 400 Millionen Euro geben Österreicherinnen und Österreicher dafür jedes Jahr aus. Notwendig ist das in den meisten Fällen nicht: „Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, benötigt keine Nahrungsergänzungsmittel“, hält Bärbel Klepp, vom Verein für Konsumenteninformation fest.
Schön mit Hilfe des Skalpells
Wer schön sein will, muss leiden – dieser Spruch gilt allerdings auch nicht selten in der Schönheitschirurgie. „Der Begriff „Schönheitschirurg“ ist in Österreich nicht geschützt“, erläutert Bärbel Klepp: „Jeder Arzt, der sich das zutraut, darf schönheitschirurgische Eingriffe durchführen.“ Aber auch der „Schönheitstourismus“ ins benachbarte Ausland kann unangenehme Folgen haben: „Die Betroffenen verstehen oft nicht, warum die Kosten für eine Schönheitsoperation in Österreich so viel höher sind, als im Ausland“, so Bärbel Klepp. Oft werde nur auf den Preis geachtet – mit durchaus unangenehmen Folgen und verbunden mit sehr hohen Kosten, etwa dann, wenn Fehler passieren, die dann um viel Geld wieder korrigiert werden müssen.
Schlank hungern liegt im Trend
Besonders junge Mädchen lassen sich sehr stark von den medial transportierten Schönheitsidealen beeindrucken und erkranken an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Neben dem Leid für die betroffenen Mädchen und Frauen stellen Essstörungen auch einen ganz erheblichen ökonomischen Faktor dar. „Schätzungen zufolge kostet die Behandlung der jährlich rund 2.700 Patientinnen mit Essstörungen in Österreich rund 31 Millionen Euro“, hält Michaela Langer fest.
Die Schönheitsindustrie ist zu einem riesigen Markt geworden. „Die Bilder in den Medien, die uns faltenlose, jugendliche und überschlanke Schönheit vorgaukeln, setzen Menschen massiv unter Druck“, weiß auch die Frauengesundheitsbeauftragte Wiens, Univ.-Profin. Drin Beate Wimmer-Puchinger in einem Statement zur Eco-Spezialausgabe. „Dabei wird vergessen, dass die meisten dieser Bilder mittels Computerprogrammen stark bearbeitet sind und damit nichts mehr mit der Realität zu tun haben.“
„Eco Spezial: Operation Schönheit“: Sendung vom 2. Dezember 2010, ORF 2
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