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Internationale Studie: Magersucht entsteht durch Interaktion von Umwelt und Genen
Körperspott wirkt immer schädlich unabhängig von Genen
Dienstag, 12. April 2011
Aus vorangegangenen Untersuchungen war bekannt, dass diejenigen Personen von schwerer Depression betroffen sind, bei denen neben starken psychosozialen Belastungen auch solche genetische Mutationen vorliegen. Universitätsprofessor Andreas Karwautz (Bild) und sein Team von der Medizinischen Universität Wien, verfolgten diesen Ansatz und integrierte die biologischen und psychosozialen Faktoren im Rahmen der internationalen Multicenterstudie zur Magersucht. Dabei wies er die Wirksamkeit einer Interaktion, wie sie für depressive Störungen bekannt war, auch für die Magersucht nach. Es zeigte sich, dass sich ein ungünstiger elterlicher Erziehungsstil in der Zeit bizs zum Ausbruch der Erkranung nur dann ungünstig auswirkt, wenn eine Mutation bei Serotonintransportoren vorliegt.
"Wir konnten erstmals für Anorexia nervosa paradigmatisch zeigen, dass das Erziehungsverhalten im Rahmen eines interaktionellen Modells bei der Entstehung von Magersucht einen Einfluss hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis für Therapie und Beratung", sagte Studienleiter Karwautz.
Bei Studienteilnehmerinnen ohne diese genetische Veränderung beim Serotonintransport zeigte sich kein steigendes Anorexie-Risiko aufgrund eines ungünstigen Erziehungsstils. Länderspezifisch wurden keine Unterschiede beobachtet.
Körperspott wirkt immer schädlich unabhängig von Genen
Weiters zeigte die Studie eine wichtige Erkenntnis: Hochpotente psychosoziale Stressoren wie belastende Lebensereignisse, zwischenmenschliche Probleme oder körperbezogene spöttische Kommentare wurden unabhängig von genetischen Aspekten als ursächlich relevant beschrieben.
Die Magersucht ist die schwerste Krankheit, die die Psychiatrie kennt. Ihre Mortalität ist doppelt so hoch wie die bei schwerer depressiver Störung. Zu 95 Prozent sind weibliche Jugendliche betroffen, etwa 100 bis 140 Neuerkrankte werden jährlich allein in Wien registriert.
Für die Studie wurden 128 Schwesternpaare aus Wien, London und Barcelona untersucht, wobei jeweils eine Schwester gesund , bei der anderen eine Anorexia nervosa ausgebrochen war. Die Studie wurde im Fachjournal der Psychiatrie "Molecular Psychiatry" veröffentlicht: Gene-environment interaction in anorexia nervosa: relevance of non-shared environment and the serotonin transporter gene; A F K Karwautz, G Wagner, K Waldherr, I W Nader, F Fernandez-Aranda, X Estivill, J Holliday, D A Collier and J L Treasure Molecular Psychiatry, doi:10.1038/mp.2010.12
http://www.ess-stoerung.eu/index.htm
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