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BRD: 3 Ministerinnen gegen den Diätwahn

Kampagne "Leben hat Gewicht" nach Vorbild der Wiener Initiative S-O-Ess

Freitag, 07. März 2008

Der Essstörungs-Gipfel in Berlin bot Models und Modemachern, ExpertInnen und Fußballerinnen in Deutschland erstmals die Gelegenheit gemeinsam über einen Aktionsplan gegen den Schlankheitswahn nachzudenken. Die Wiener Initiative S-O-Ess gilt hierbei als „Kampagne mit Modellcharakter.“


Startpressekonferenz - Copyright Bundesministerium für Gesundheit, BRD„Medien, Mode- und Werbebranche müssen sich ihrer Verantwortung stärker bewusst werden. Es ist Zeit für eine breite gesellschaftliche Debatte.“ 
Mit dieser Eröffnungsrede verkündete Gesundheitsministerin Ulla Schmidt beim Berliner Gipfel im Dezember 2007, dass nun auch die deutsche Politik bereit ist gegen den Schlankheitswahn anzukämpfen. 

Am 13. Dezember wurde von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Bundesjugendministerin Ursula von der Leyen und Bundesforschungsministerin Annette Schavan die Initiative „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ in Berlin vorgestellt.

In Österreich, Großbritannien und Spanien laufen schon seit Jahren erfoglreiche Projekte zur Prävention und Bekämpfung von Essstörungen. Zu den Vorzeigekampagnen gezählt wird die Wiener Initiative "S-O-Ess" mit dem Motto: "No Body is Perfect." S-O-Ess wurde im Februar 2007 unter der Ägide der Gesundheits-Stadträtin Sonja Wehsely und der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger gestartet und hat es sich zum Ziel gesetzt "ein gesundes Frauenbild in der Öffentlichkeit mit allen uns zur Verfügugn stehnden Mitteln zu fördern." Genau das wollen auch die TeilnehmerInnen des Berliner Gipfels erreichen.

Barbie Matrix durchbrechen

Mit dabei Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky. Im Mai 2007 startete die Ministerin und `sowhat - Institut für Menschen mit Essstörungen`mit der Unterstützung der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten eine Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne. Als telefonische Anlauf- und Clearingstelle stand die `Hotline für Essstörungen 0800 20 11 20` des Wiener Programms für Frauengesundheit mit seiner neunjährigen Erfahrung unterstützend zur Seite. 
“Wir müssen die Barbie-Matrix durchbrechen und authentische Bilder schaffen!“ bestätigt Bildungsministerin Schavan. Die im Dezember 2007 beschlossene deutsche Kampagne: „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ nimmt vor allem das mediale Trommelfeuer, das unablässig krankhafte (Vor)Bilder für Mädchen und Frauen produziert ins Visier. Die britische Essstörungsexpertin und unermüdliche Aktivistin Susie Orbach motiviert mit ihren Worten: „Sie haben hier in Deutschland die einmalige Chance, etwas zu erreichen, denn Sie haben bei dieser Initiative alle drei zuständigen Ministerinnen im Boot. Das ist weltweit einzigartig.“
Sigrid Borse, Beraterin vom Frankfurter Zentrum für Essstörungen bringt die derzeitige Situation auf den Punkt: 
„Das Problem Essstörungen ist adipös – die Finanzierung der Hilfsangebote anorektisch.“

Schwierig sich schön zu fühlen neben den heutigen Schönheitsidealen

Jedes zweite Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren fühlt sich „zu dick“ fand die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ihrer aktuellen Studie „Jugendsexualität“ heraus. Jedes dritte Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren zeigt ein gestörtes Essverhalten, ermittelte das Robert-Koch-Institut bei seiner Studie zur Kinder - und Jugendgesundheit. Susie Orbach fand in ihrer neuesten Studie „Beyond Stereotypes“ (über 3.000 Mädchen aus zwölf verschiedenen Ländern wurden befragt) heraus, zwei Drittel der Mädchen meinen es sei „schwierig, sich schön zu fühlen, wenn man mit den heutigen Schönheitsidealen konfrontiert ist.“ Jedes zweite Mädchen wünscht sich „in Zeitschriften mehr Mädchen zu sehen, die ihm im Aussehen ähnlicher sind.“ Und drei von vier Befragten gaben zu: „wenn ich mit meinem Körper unzufrieden bin, vermeide ich bestimmte Aktivitäten“. Dazu zählen: das Verkünden der eigenen Meinung, der Schulbesuch, der Gang ins Schwimmbad oder zum Sport. Jedes vierte Mädchen hat schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht. 

Schockierende Fakten die Kritik gegenüber der öffentlichen Hand zulassen. Sigrid Borse klagt: „Es gibt in einigen Regionen und jenseits der Großstädte viel zu wenig Einrichtungen" und kritisiert, dass „die Förderung der Beratung von Essgestörten nicht zu den Pflichtaufgaben der öffentlichen Hand zählt.“
Die Aktivistin Orbach hat gemeinsam mit der Kosmetikfirma Dove die „Initiative für wahre Schönheit“ entwickelt. 
Das Motto der Kampagne: „Let´s talk to our daughters before the Industry does“ – Lasst uns mit unseren Töchtern sprechen, bevor es die Schönheitsindustrie tut.

Genau das ist auch der Plan aller Aktivisten gegen Essstörungen.

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