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3. Wiener Essstörungsenquete

Die dritte Wiener Enquete zum Thema Essstörungen, stand unter dem Titel "Ein Bild von einer Frau?". Mit diesem Thema wollten die VeranstalterInnen auf den "Medien-Schönheitskult und dessen Auswirkungen" hinweisen. Mehr als 300 österreichische und internationale ExpertInnen folgten der Einladung von "dieSie", dem Wiener Programm für Frauengesundheit unter der Leitung von Prof. Dr. in Beate Wimmer-Puchinger.

Essstörungen: 90 % der Betroffenen sind Mädchen und junge Frauen

Das Wiener Programm für Frauengesundheit nimmt sich dem Thema Essstörungen in besonderem Maße an, da nach Schätzungen von Prof. Andreas Karwautz, Leiter der Spezialambulanz für Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen am AKH-Wien, jährlich 80-140 Neuerkrankungen an Anorexie und 280 Neuerkrankungen an Bulimie bei jungen Frauen im engen pathologischen Sinn alleine in Wien zu verzeichnen sind.
Als Auslöser gelten neben Krisen des Erwachsenwerdens, Selbstabwertung oder Unzufriedenheit mit sich selbst auch die ständige Konfrontation mit superschlanken, oft sogar magersüchtigen Models in den Medien. Die gesundheitlichen Folgen sind langfristig und gravierend. Neben dem Ausbleiben der Menstruation, Zahnschäden, dem Absinken von Puls, Blutdruck und Körpertemperatur kann es zu Speiseröhreneinrissen, Magenwand- und Nierenschäden kommen.
Auch die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Prof. Dr. in Wimmer- Puchinger sieht einen Auslöser für Essstörungen in der Medienwelt: "Die dichte Informationsflut einer Bilderwelt von Mode und Models, die im medizinisch eindeutigen Bereich der Untergewichtigkeit liegen, bleibt nicht ohne Folgen. Fast jedes 2. Mädchen im zarten Alter von 13 Jahren experimentiert mit Diäten, misst ihr Selbstwertgefühl mit der Waage und ist mit ihrem Aussehen unzufrieden. Das Risiko für Magersucht und Bulimie steigt. Es ist daher eine Grenze erreicht, wo wir uns aus gesundheitlicher und frauenspezifischer Sicht gegen diese "hungrige Bilderwelt" wehren müssen. Sie dezimiert das Selbstwertgefühl und die Gesundheit unserer Töchter."

40% der Mädchen haben Angst zuzunehmen

Laut einer repräsentativen Studie an 1.600 SchülerInnen, durchgeführt vom AKH und dem Ludwig Bolzmann Institut für Frauenforschung sind 2.078 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren und 98 Burschen der klinischen oder subklinischen Risikogruppe von Bulimie und Anorexie zuzurechnen. Diese Zahlen bestätigen für Wien auch internationale Trends. Weiters gaben mehr als jedes 2. Mädchen und 1 von 10 Burschen an, schon einmal eine Diät gemacht zu haben, ohne dass ein Übergewicht vorlag. Absichtlich erbrochen haben 15,4% der Mädchen, 1,6% der Burschen. Abführmittel genommen 9% der Mädchen, 0,8% der Burschen. Entwässerungstabletten nehmen 3% der Mädchen und 24 Stunden Essensstopp probieren 3% der Mädchen um ihr "Idealgewicht" zu erreichen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind gravierend. So schlagen Internisten, Zahnärzte und Gynäkologen in internationalen Fachzeitschriften Alarm, da es durch die Mangelernährung zu hormonellen Veränderungen bereits in der Pubertät kommt, 30-jährige Frauen schon Osteoporose-Anzeichen haben und Zähne massiv geschädigt werden, sowie natürlich auch der Magen-Darm-Trakt. Dazu kommen massive Herz-Kreislauf-Beschwerden, Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall und Depressionen.

Präventionsmaßnahmen in Wien

Das Wiener Programm für Frauengesundheit, "dieSie" hat neben einer Essstörungshotline (0800 - 20 11 20) ab nun auch Email- Beratung ( mailto:hilfe(at)essstoerungshotline ) durch ExpertInnen installiert. Seit 1998 rufen täglich 10-15 Personen an, um sich anonym beraten zu lassen. Eine statistische Auswertung von 9.100 AnruferInnen zeigt: 90% der AnruferInnen sind weiblich, mehr als 2/3 der AnruferInnen sind direkt von einer Essstörung betroffen, 1/3 sind Angehörige, das Durchschnittsalter ist 25 Jahre. Bei den AnruferInnen zeigt sich, dass neuerdings auch Frauen zwischen 40 und 50 Jahren durch den Schlankheitsdruck in eine Essstörung rutschen. Um den Bereich der Prävention und der stationären Akutbehandlung und Nachbetreuung besser zu vernetzen wurde eine Plattform aufgebaut, in die alle relevanten Institutionen, die auf diesem Gebiet arbeiten, eingebunden sind.

Internationale Experten loben Wiener Maßnahmen

WissenschafterInnen der verschiedenen Disziplinen (Medizin, Psychotherapie, Frauenforschung, Familienforschung) warnten im Rahmen der dritten Wiener Essstörungsenquete vor den Folgen einer unkontrollierten und einseitigen Propagierung überschlanker weiblicher Vorbilder sowie andererseits den Auswirkungen der Propagierung einer stromlinienförmigen Figur durch die Schönheitschirurgie. Wie eine Studie von Prof. Becker aus Harvard nachwies, wirkt sich der Schlankheitskult sogar auf die weibliche Bevölkerung der Fiji-Inseln aus. In dem Ausmaß, in dem mehr westliche Schönheitsideale durch das Fernsehen propagiert werden, nehmen Magersucht und Bulimie auf dem Inselstaat zu.
Prof. Wolfgang Rutz, Regionalbeauftragter für psychische Gesundheit der WHO, fand in seiner Rede auf der dritten Wiener Essstörungsenquete lobende Worte für den Problemumgang in Wien: "Junge Menschen, besonders junge Frauen, stehen heute in vielen Ländern Europas im Brennpunkt gesellschaftlichen und psychologischen Stresses und die Entwicklung lokaler, regionaler und nationaler Vorbeugungs- und Behandlungsstrategien ist gefordert. Die WHO misst daher dem Wiener Beispiel aus europäischer Perspektive Modellcharakter zu."
Prof. in Susie Orbach, Mitbegründerin des Frauentherapiezentrums in London und New York betonte in ihrer Rede, dass bereits der Einfluss von Müttern auf das Essverhalten von Babys eine wichtige Rolle spiele. So finden unter dem Eindruck werblicher Botschaften der Massenmedien immer mehr Frauen ihre Kinder "zu dick", wodurch spätere Essstörungen gefördert würden.

 

Download des Programms (PDF)

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